CREMLINGEN. "Es dürfte sich um einen Fall von Brandstiftung handeln." Dieses erste Ermittlungsergebnis nannte Dirk Kelp, Brandsachbearbeiter beim Zentralen Kriminaldienst der Polizeiinspektion (PI) Wolfenbüttel, als Ursache für das Feuer in der Rollladenfirma Schmidt und Partner an der Straße Im Rübenkamp in Cremlingen in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag (wir berichteten).
Ein Fenster im hinteren Bereich des Gebäudes sei gewaltsam geöffnet worden. Das Feuer sei vermutlich auf dem Dachboden ausgebrochen. "Die genaue Ausbruchsstelle steht aber noch nicht fest", betonte Kelp.
Im Obergeschoss des Hauses hatte die benachbarte Confiserie und Chocolaterie Weibler eine etwa 200 Quadratmeter große Lagerfläche gemietet. "Sie diente als Zwischenlager für Verpackungsmaterial wie Folien und Kartons. Sie sind ebenso verbrannt wie unsere Formen für Schokoladenfiguren, die dort lagerten", berichtete Immo Klee, bei Weibler Vertriebsleiter und stellvertretender Geschäftsführer, und fügte hinzu: "Zum Glück haben wir unser Ostergeschäft schon abgewickelt. Aber wir müssen nun schnellstens Ersatz beschaffen."
Das Gebäude, in dem sich eine Fertigungshalle befand, brannte bis auf die Grundmauern nieder. Laut Polizeiangaben entstand ein Schaden in Höhe von 400 000 Euro. "Das Feuer breitete sich ganz schnell aus", erzählte Astrid Riemann, eine Anwohnerin und Augenzeugin. "Ich hatte gerade meine Katze vom Balkon gerufen. Da war noch nichts. Als ich kurz darauf wieder rüberschaute, sah ich schon Flammen aus dem Dach schlagen und schwarzen Rauch. Funken flogen in Richtung der gegenüberliegenden Tischlerei", schilderte Astrid Riemann ihre Beobachtungen.
Dort, in der Tischlerei Buhse, sei jedoch nichts passiert, versicherte Matthias Buhse, Bruder des dortigen Geschäftsführers und selbst einer der 111 Feuerwehrmänner, die gegen die Flammen kämpften. "Wir hatten keine Chance, das Gebäude zu retten. Es brannte in vollem Ausmaß", sagte Gemeindebrandmeister Klaus-Peter Breske. Die Feuerwehr habe zudem alles daran gesetzt, die benachbarten Gebäude vor Funkenflug zu schützen, so dass kein weiteres Haus Schaden genommen habe. Ein Lob sprach Breske den Cremlinger Bürgern aus: "Schaulustige haben unsere Arbeit nicht behindert." Die Löscharbeiten dauerten bis gestern nachmittag an.
Einige Autos, die vor und neben dem benachbarten Autolackierzentrum geparkt waren, seien durch Ruß und Funkenflug beschädigt worden, sagte Ute-Barbara Achilles, Prokuristin im Autohaus Achilles.
Ob das Feuer mit dem Scheunenbrand vom Oktober 2003 und mit dem Brand eines Carports im Januar in Zusammenhang stehe, sei unklar, so Wolfgang Boeder, stellvertretender Leiter des Polizeikommissariats Cremlingen. Boeder: "Es wird aber stark vermutet, dass die beiden anderen Brände auf Brandstiftung zurückzuführen sind."
Der Brandsachbearbeiter der PI, Dirk Kelp, betonte, dass die Ermittlungen fortgesetzt würden: "Wir müssen Täter und Motiv noch ermitteln."
Braunschweiger Zeitung
von Stephanie Peißker
19.03.2004